Über Gothic
Im letzten Jahrzehnt erfuhr die Bezeichnung Gothic eine Zweckentfremdung als Vermarktungsetikett durch die Musikindustrie, aber auch durch die kommerziellen Medien, wodurch sich ein weiterer Grund für die Ablehnung als Szene-Namen entwickelte. So wurden immer häufiger Bands szenefremder Musikkulturen, wie Metal, Mittelalterrock, Neue Deutsche Härte oder Visual Kei, als Gothic vermarktet, während das Zentrum der Gothic-Bewegung schrittweise ins Abseits geriet.
Mit dem Namen Gothic wird landläufig im Sinne von düster bzw. schaurig verstanden. Auch geht der Szene-Name nicht auf das Volk der Goten oder auf das Zeitalter der Gotik zurück, sondern ist grundsätzlich an einen in England entstandenen Musikstil angelehnt. Dieser wurde aufgrund seines dunklen und dumpfen Klanges und seiner verwendeten Themen als "schaurig" empfunden. Innerhalb des deutschen Sprachraums nutzte man gleichzeitig Bezeichnungen wie "Gruftis" oder szene-übergreifend "Schwarze" oder "Waver", da sich Gothic in den 1980er Jahren weder als Genrebegriff noch als Bezeichnung für eine Subkultur über britische Grenzen hinaus weitläufig durchsetzen konnte. In Kanada und den USA geschah dies erst um etwa 1988, im mitteleuropäischen Raum zu Beginn der 1990er, obgleich Gothic als Selbstbezeichnung seit 1986 in Westdeutschland und seit 1988 in Ost-Berlin belegt ist.
Obwohl sich die Gothic-Szene mit Tod, Trauer, Leid und Vergänglichkeit auseinandersetzt ist sie dennoch keine Trauerkultur. So gibt es etliche Goths, die sich primär an dunklen, mystischen oder okkulten Dingen erfreuen und versuchen, diese Seite ihrer Persönlichkeit auszuleben. Dementsprechend wird die Akzeptanz des Todes als natürlicher Bestandteil des Lebens häufig nach außen getragen.











